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Foto: © WILA Bonn

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Anleitung: Erstberatung durch die Kommune

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Kommunen haben verschiedene Möglichkeiten, die naturnahe Gestaltung von Fir­mengeländen zu fördern: von der gesplitteten Abwassergebühr bis zur Einrichtung eines kommunalen Förderprogramms, das Unternehmen bei der Neuanlage von Grünflächen unterstützt. Ein wichtiger Schritt zur Gewinnung von Unternehmen ist die Erstberatung, für die sich der unten darge­stellte Ablauf bewährt hat.

1. Ansprache von Unternehmen und das Angebot der Erstberatung

In welchen Fällen ist die Chance für die Umsetzung der natur­nahen Gestaltung besonders hoch? Die folgende Tabelle gibt Hilfestellung zur Identifizierung der Unternehmen, die erfah­rungsgemäß ein hohes Interesse oder besonders niedrige Hür­den für eine naturnahe Gestaltung haben.

2. Die Erstberatung: Ablauf, Inhalte und Akteure

Mit der Erstberatung erhalten Unternehmen Optionen für eine naturnahe Gestal­tung ihres Standorts. Chancen und Grenzen von Maßnahmen werden besprochen, Gestaltungsbeispiele vorgestellt, Arbeitsschritte, Umsetzungsstrategien und Ein­flussmöglichkeiten auf die Kosten der Maßnahmen dargestellt. Die Unternehmen erhalten Vorschläge, welche Möglichkeiten ein naturnahes Firmengelände z. B. für teambildende Maßnahmen, Lehrlingsprojekte oder Kooperationen mit Naturschutz­organisationen bietet. Die Erstberatung kann keine Kostenabschätzung auf Basis eines Leistungsverzeich­nisses ersetzen, vermittelt aber einen Eindruck zum Umfang der möglichen Maßnah­men. Die Beratung kann auch dazu dienen Baumaßnahmen z. B. durch Ökopunkte vorzubereiten und damit Finanzierungsoptionen zu klären. Naturnahe Gestaltung ist eine relativ günstige Art und Weise, sich für Natur und Umwelt zu engagieren. Die Aufwertung des Standorts kann über mehrere Jahre verteilt werden, was auch für die Kommunikation von Vorteil ist, da das Unternehmen die Öffentlichkeit regelmä­ßig über Fortschritte und neue Initiativen für mehr grün informieren kann.

Eine Erstberatung umfasst vier Schritte:

  1. Vorgespräch: Im Rahmen eines Vorgesprächs wird die Bege­hung vorbereitet, und es werden die gegenseitigen Erwartun­gen abgestimmt (ca. 1 – 2 Stunden).
  2. Begehung: Während der Begehung werden Nutzung und Gestaltung des Standorts erfasst, eine Fotodokumentation erstellt und gemeinsam mit den Ansprechpartnern im Unter­nehmen die Ansprüche, die ein Unternehmen an eine natur­nahe Gestaltung stellt, geklärt (ca. 2 – 4 Stunden).
  3. Beratungsprotokoll:Das Beratungsprotokoll stellt Vorschläge für eine naturnahe Gestaltung der Liegenschaft zusammen (ca. 0,5 – 1,5 Tage).
  4. Nachgespräch:Im Rahmen eines Nachgesprächs erhält das Unternehmen die Gelegenheit Rückfragen zu stellen und die nächsten Schritte zu diskutieren (ca. 1 – 2 Stunden). Der zeitliche Aufwand hängt von der Größe und den Voraus­setzungen des Standorts ab. Bei den Angaben handelt es sich um Erfahrungswerte.

Während der Begehung wird eine Fotodokumentation erstellt. Folgende Personen sollten bei der Begehung dabei sein:

  • Eine Person, die Nutzung und Aussehen des Geländes über den gesamten Jahresverlauf hinweg kennt.
  • Eine Person, die die regelmäßig durchgeführten Arbeiten auf dem Gelände kennt – vom Heckenschnitt bis zur Schnee­räumung.
  • Eine Person, die mit der Strategie des Unternehmens bzw. der „Unternehmensphilosophie“ vertraut ist.
  • Optional kann man eine Expertin oder einen Experten für naturnahe Gestaltung in die Begehung einbeziehen, der/die für die professionelle Planung und Umsetzung in Frage kommt

Für die Erstellung von Maßnahmenvorschlägen ist wichtig zu wissen, ob sich der Aufwand für die Aufwertung der Fläche vor dem Hintergrund des Nutzungshorizonts lohnt. Als erstes sollten deshalb die Flächen hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit eingeteilt werden:

  • Intensiv genutzte Flächen und Entwicklungsflächen mit konkreten Planungen
  • Entwicklungsflächen wie Baulandreserven ohne absehbare Planung
  • Flächen, die nicht in Anspruch genommen werden sollen oder dürfen.

Am Ende der Begehung sollten die Beratenden ein gutes Bild von den Anforderungen und Erwartungen des Unternehmens an naturnahe Gestaltung, vom Umfang des Engagements des Unternehmens und möglichen Hindernissen für die naturnahe Gestaltung haben.

3. Erstellung des Beratungsberichts

Der Beratungsbericht enthält die Darstellung des Aufwer­tungspotenzials und möglicher Umgestaltungsstrategien. Er kann als „Bewerbung“ der Maßnahmen gegenüber Entschei­dungsträgern im Unternehmen dienen. Form und Umfang kann je nach Größe und Diskussionsstand zwischen einem Plan des Areals mit den eingetragenen Maßnahmen, einer Präsentation für die Vorgesetzten und einem umfangreichen Dokument zur Vorbereitung von Managemententscheidun­gen variieren. Für einen textlichen Bericht hat sich folgende Gliederung etabliert:

  • Bestandsaufnahme, Lage und Umgebung: Beschreibung der Struktur des Geländes, der Umgebung und etwaiger relevanter Flächen mit Schutzstatus in der Umgebung.
  • Ausgangszustand Firmengelände: Wie ist die aktuelle Gestal-tung, was ist vorhanden, welche Potenziale gibt es?
  • Maßnahmenvorschläge aktuelle Planung: Was hat das Unter­nehmen vor, was kann empfohlen werden, wie kann die Grünpflege angepasst werden?
  • Maßnahmenvorschläge nach der Begehung: Welche Maß­nahmen wurden besprochen und können neu auf dem Gelände umgesetzt werden?
  • Welche weiteren Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt gibt es?
  • Eindrücke Ausgangssituation und Zielzustand (Fotos).• Hintergrundinformationen (Was bedeutet „biologische Viel­falt“, was umfasst „naturnahe Gestaltung von Firmen ge län den“, welches sind positive Effekte für Natur & Unternehmen). • Bezugsquellen (Wildpflanzen und heimisches Saatgut, Material Nisthilfen etc.).

4. Nachbesprechung und nächste Schritte

Die Beratenden stellen die Ergebnisse den relevanten Personen des Unternehmens vor. Wenn der Umfang der gewünschten Maßnahmen geklärt ist, können die wei­teren Schritte erfolgen. Eine naturnahe Gestaltung kann nicht von jedem Land­schaftsplanungsbüro oder Landschaftsgärtnerei durchgeführt werden und wird nicht automatisch angeboten. Eine Ausschreibung zur Planung muss die naturnahe Gestaltung gezielt benennen. Dies geschieht am besten durch die Beschreibung der gewünschten Pflanzenverwendung und späteren Pflege.

Weitere Informationen

Weitere Tipps rund um die Erstberatung von Unternehmen finden Sie in der Broschüre „Mehr Natur im Gewerbegebiet. Leitfaden für Kommunen zur Beratung von Unternehmen" ab S. 13.

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